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Hynek (Heinrich) Voldřich, Zirkusmanager.
„Ja der Nazi Voldřich, das ist eine lebende Legende“. JUDr, PhDr Zbyšek Podstata, ein lebenslanger aktiver Artist in den Tschechoslowakischen Zirkussen, und Jaroslav Štolfa, ehemaliger Geschäftsführer des Zirkus Humberto, bestätigen dies 1986 in einen Interview .
Hynek stammte aus einer religiösen Familie. Vater, auch ein Hynek, war Schuhmacher und nebenbei Küster in der Stachauer Kirche. Seine Karriere war also prädestiniert. Er war ein intelligentes und begabtes Kind, er sang wunderschön. Mit der Vision des zukünftigen Pastors trat er in das Seminar der Kreuzherren in Prag (heutige Staatsbibliothek) ein. Einmal und dann öfter wurde unter den Fenstern seines Zimmers gepfiffen. Stachauer kamen nach Prag, um hier zu Musizieren, und sie nahmen den jungen Seminaristen immer mit da er wunderschön singen konnte . Das vom Fenster herabgelassene Bettlaken war ein Mittel, um aus dem Seminar und wieder zurück zu kommen.
1922 war der Zirkus Kludský zu Gast in Prag. Die Stachauer gehörten zu den Musikern, und durch sie lernte Hynek den Besitzer des Kludský-Zirkus kennen. Und er wurde Zirkusmanager. Zu Beginn war der Hynek dem Kludský nicht ganz geheuer, weil er angeblich nicht stehlen konnte, aber er stellte ihn trotzdem als Verkaufsleiter ein.
Einer der ersten Erfolge von Hynek in seiner neuen Position war eine Reise nach Belgrad. Kludský sollte dort zwar kein Gastspiel geben, aber Hynek fuhr hin, um „den Platz zu überprüfen“. In Belgrad traf er Sarasani, den Besitzer des berühmten gleichnamigen Zirkus. Durch geschickte Diplomatie überzeugte Hynek Sarasani davon, dass Belgrad eine Goldmine für Zirkusse war, und er bot ihm an für eine Abfindung in Höhe von 200 000 Dinar, ihm die Stadt für diese Saison zu überlassen. Dies machte Kludskkýs Aufenthalt in Jugoslawien um einiges angenehmer.
Hyneks Domäne war der Bereich um das Zirkuszelt. Als großen Gefallen für eine Gebühr von 100 Dinar pro Tag erlaubte er Verkäufern, ihre Stände entlang des Zirkuszeltes aufzustellen. Anschließend gab er dem Kommandeur der örtlichen Polizei 100 Dinar, damit er die Ständler in eine Entfernung mindestens 50m vom Zelt vertrieb, den freigewordenen Platz vermietete ein zweites mal an andere Ladenbesitzer.
Hynek wurde für Kludský unentbährlich. Einmal er beauftragt, Kludský´s, verlorenen Hund, zu finden. Hynek fand ihn am nächsten Tag. Er fand ihn dort, wo er ihn am Tag zuvor selbst angebunden hatte.
Als Hynek wieder einmal mit dem Kludský um die Häuser zog, kreuzte eine (zweifelsfrei nach einer Absprache mit Hynek) „Dame“ ihren Weg. Kludský war von ihr sehr beeindruckt und lud sie in eine Weinstube ein. Sie vervielfachte ihren Eindruck, indem sie sagte, sie sei die Frau des Oberbürgermeisters und trinke nur Kaffee. Hynek und seine Frau hatten zuvor unbezahlte Kosten verursacht, und er nutzte die Situation in der Weinbar, indem er Kludský empfahl, ihr einen Ring im Wert von 8.000 CZK zu kaufen. Er besorgte das Geschenk selbst, ließ es von Kludský genehmigen und verpackte es auch als Geschenk. Er ließ den Ring gegen einen anderen mit dem halben Preis austauschen. Kludský bezahlte unwissentlich Hyneks Abenteuer mit der Dame, und Hynek hatte auch noch 4.000 CZK für später übrig.
Karel Kludský traf den Besitzer eines Zirkus in Deutschland, wahrscheinlich Henri, und fand heraus, dass dieser Zirkus einen Unternehmensanwalt hatte. Als er nach Hause zurückkehrte, ernannte er Hynek zum Doctor of Laws. Seitdem war Hynek JUDr, Unternehmensanwalt und Sekretär des Kludský-Zirkus.
Der Kludský-Zirkus hörte 1934 auf zu existieren. Es heißt, Hynek sei anstelle von Kludský wegen Steuerbetrugs ins Gefängnis gegangen, zu dem er sicherlich beigetragen habe. Aus Dankbarkeit, dass er nicht vor Gericht musste , ließ Kludský Hynek eine Villa in der Nähe von Ostrau bauen.
1938 trat Hynek dem Henri-Zirkus bei, der zu dieser Zeit einem bestimmten Tschechen, Fiala, gehörte. Die folgenden Jahre waren auch für Hynek nicht einfach. Er ging jedoch weiterhin großzügig auf Probleme ein. Als die Behörden sich irgendwann weigerten, dem Zirkus eine Produktionsgenehmigung zu erteilen, ließ Hynek die Visitenkarten des Direktors einer internationalen dem Reiche nahestehenden Agentur aus Berlin ausdrucken und seine Kleidung ausleihen und der lokale Beamte erlaubte ihm nicht nur, den Zirkus zu veranstalten, sondern war auch noch dankbar, dass er seine Anstellung nicht verlor.
In Čáslav versuchte der Henri-Zirkus, auf dem Marktplatz ein Zelt aufzubauen. Die deutschen Behörden wollten sie aufhalten. Hynek zwinkerte den Zeltbauern nur zu und weil das Wetter kalt war, ging er mit den Deutschen in eine nahe gelegene Kneipe. Als sie total betrunken aus der Kneipe getragen wurden, stand das Zirkuszelt schon, mit einen Transparent welches verkündete das „Hyneks Zirkus für den Sieg des Großdeutschen Reiches arbeitet und hilft, die heldenhaften deutschen Soldaten zu heilen“.
Es ist bekannt, dass einige Lebensmittel während des Krieges nicht sehr knapp oder nicht verfügbar waren. Zum Beispiel waren Kaffeebohnen nur für die oberen, Offiziere….. und Hyneks Zirkusaffen bestimmt. Bis Januar 1945 glaubten die deutschen Behörden angeblich, Zirkusaffen könnten ohne Kaffeebohnen nicht existieren, genauso wie Löwen ohne ein Pfund Lendenstück pro Woche.
Die frömmigkeit haftete dem Hynek immer noch an. Besonders im alkoholisierten Zustand. Es wird gesagt, dass er während des Krieges eine Messe in der Spelunke „U Karla“ in Ostrau gelesen hat. Die ganze, so wie er es im Seminar gelernt hat. Im Suff ernannte er zwei von den anwesenden Gestapo Männern zu Ministranten. Am nächsten Tag erhielt er von den deutschen Behörden für seinen Zirkus einen Holzgutschein.
Hyneks Zirkusvorstellungen waren immer, auch durch seinen persönlichen Einsatz immer ausverkauft. Wenn Landsleute zu dem „berühmten Stachauer -Direktor und Anwalt“ in die Vorstellung kamen kamen, saßen sie immer in den ersten Reihen und in aristokratischen Logen. Und kostenlos. Wie Hynek es gemacht hat – niemand weiß es.
Nach dem Krieg baute sich Hynek in Ostrau einen Holzzirkus. Obwohl ohne Erlaubnis, bestand er und er wurde zum Direktor ernannt. Als Funktion übernahm er auch die Zirkuskasse, resp. alle ihre Inhalte. Obwohl er dem staatlichen Kontrollbeamten einen Schlüssel von der Registrierkasse gab, wurde die Registrierkasse selbst von einer Dogge bewacht, welch auf die Befehle des Beamten nicht reagierte. Und so mussten der Inspektor und Hynek eine Einigung erzielen. Was das wohl für ein war?
Es gibt Informationen über Hyneks zwei Ehen. Jedoch nur eine ist verbrieft. Es ist (fast) sicher, dass er keine Kinder hatte. Er wurde 1963 oder 1964 auf dem Friedhof in Ostrau beigesetzt.
